Aquaculture

Fische kommen aus dem Meer? Nicht immer!

Aquakultur (oder Aquafarming) ist die kontrollierte Aufzucht von im Wasser lebenden Organismen. Dazu zählen unter anderem Fische, Muscheln und Algen. 

Diese Organismen werden in der Aquakultur in verschiedenen Systemen gezüchtet:

In (künstlich angelegten) Teichen, hochtechnisierten Kreislaufanlagen, Netzgehegen (im offenen Meer), wasserdurchströmten Zuchtbecken oder im Tidebereich der Meeresküsten. 

Es gibt also sowohl Süß- als auch Salzwasser Zuchtanlagen.

Dabei stehen vor allem drei Aktivitäten im Vordergrund:

  1. Die Zucht von Fischen, Muscheln und Garnelen für die Nahrungsmittelindustrie
  2. Setzlingszucht für die Fischzucht (als deren Nahrungsgrundlage)
  3. Mikro- und Makroalgenzucht für die chemische, pharmazeutische und lebensmitteltechnische Industrie


Inzwischen kommen in Deutschland rund jeder dritte Fisch / jede dritte Muschel oder jedes dritte Krebstier aus der Aquakultur! Und warum?

Ausschlaggebend für den Beginn der Aquakultur war unter anderem das Problem der Überfischung. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts ist die Ausbeutung unserer Meere gewaltig gestiegen. Etliche Gebiete sind bereits so überfischt, dass sie nicht mehr genug Angebot für die Nachfrage liefern, Ökosysteme zerstört wurden und ganze Tierarten ausgestorben sind.

Die Reaktion auf das Ausbeuten der Meere ist also Meereslebewesen in dafür ausgerichteten Anlagen zu züchten und anschließend zu verwerten.


Gibt es eine gute Lösung? Wie so vieles, hat auch die Aquakultur ihre Vor- und Nachteile.  Es gibt erhebliche Unterschiede in der Qualität und Tierfreundlichkeit der Anlagen. 


Die Vorteile:

  • Aquakultur liefert Nahrung für die Weltbevölkerung! Und das ist ein sehr bedeutender Punkt, denn viele Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass wir ohne die Proteine von Meereslebewesen (die aus der Aquakultur stammen) nicht mehr ausreichend Nahrung bereitstellen könnten. 
  • Denn die Bevölkerung wächst ständig, während die Meere immer weiter ausgefischt werden.
  • Im Vergleich zur Herstellung von Fleisch kann die Produktion von Fisch, Muscheln, Krebstieren oder Algen in der Aquakultur umweltfreundlicher sein.
  • Die kontrollierte Fischzucht kann sich positiv auf die Verminderung von Überfischung der Meere und somit indirekt auf das Erhalten von Ökosystemen auswirken.
  • Das in den Aquakulturanlagen entstehende Abwasser ist sehr reich an Nährstoffen und kann unter anderem in Aquaponiksystemen als Dünger für die Landwirtschaft genutzt werden (hier ein kleiner aber feiner Verweis an unseren Blogpost über Permakultur!).
  • Die Nutzung von Schleppnetzen kann so vermieden werden (diese haben erhebliche negative Auswirkungen auf Meereslebewesen und die Umwelt).
  • Kürzere, ökonomische Handelswege können genutzt werden: in Deutschland gezüchtete Fische müssen nicht um die halbe Welt transportiert werden.

Die Nachteile:

  • Viele gezüchtete Fischarten sind karnivore Arten (selbst Fleischfresser). Um ihre Nahrung bereitzustellen, müssen andere Arten aus den Meeren gefischt oder extra gezüchtet werden.
  • Massenzucht! Ähnlich wie bei Tieren an Land treten hier Probleme auf - zum Beispiel Krankheiten. Hier kommen wieder Medikamente und Chemikalien ins Spiel.
  • Bei den Anlagen gibt es qualitativ hohe Unterschiede. Einige Tierschützer:innen betonen immer wieder die unangemessenen Haltungsbedingungen der Tiere.
  • Zu viel (oder unkontrolliert abgeführtes) nährstoffreiches Abwasser, kann widerrum zur Überdüngung und Eutrophierung von Boden führen.
  • Durch die Züchtung von dominanten Arten im offenen Meer (in Netzgehegen) können andere Arten verdrängt werden. 


Für uns schreit dieses Thema vor allem nach politischen Regulierungen und Zertifizierungen! Denn auch in der Aquakultur gilt: es ist wichtig, darauf zu achten woher der Fisch kommt.

"Kontrollierte Herkunft" wird seit einigen Jahren durch Bio-Siegel wie "Bioland" und "Naturland" bestätigt - diese garantieren die nachhaltige Zucht. 


Womit wir bereits bei unserem nächsten Thema angelangt wären:

Nachhaltige Aquakultur - funktioniert das?


Wie bereits beschrieben - die Aquakultur übernimmt das Ruder! Inzwischen stammt fast jeder dritte Fisch auf den Tellern der Deutschen nicht mehr aus dem Wildfang. Doch was genau essen wir da eigentlich? Woher kommt der Fisch auf unseren Tellern, und welche Ansprüche gelten bei der Zucht und der Verarbeitung? 

Wie bei so vielen anderen Lebensmitteln ist es wichtig, auf die Herkunft der Meereslebewesen zu achten. Aber, wie funktioniert das am Besten? 

Mit Zertifizierungen und Siegeln, die politischen Regulierungen entsprechen und damit eine nachhaltige Zucht garantieren. 

Doch was bedeutet in diesem Fall eigentlich "Nachhaltige Zucht"? 

Um Aquakultur wirklich nachhaltig zu gestalten fordert der BUND folgendes:

  1. Kreislaufanlagen statt offene Systeme wie Netzgehege oder Durchflussanlagen
  2. ein Verbot der Fischerei auf "Industriefische" zur Fischfutterproduktion (karnivore Arten die gezüchtet werden benötigen Fischfutter das gezüchtet / gefischt werden wird) 
  3. Fischabfälle sollten besser genutzt und verwertet werden
  4. keine Aquakultur mit Arten, bei denen Jungtiere aus Wildbeständen gefangen werden müssen
  5. keine Gentechnik bei Tieren und Futtermitteln
  6. keine Aquakultur in Meeresschutzgebieten
  7. keine offenen Fisch-Aquakulturanlagen in der Nord- und Ostsee
  8. eine umfassende Kennzeichnung von Aquakulturprodukten (Art der Haltung, eingesetztes Futter) - wo wir wieder bei dem Thema Siegel wären ...

Würden all diese Forderung eingehalten werden, könnte das jeweilige Aquakultur System laut dem BUND als nachhaltig zertifiziert werden!